Dreißig Monate lang Unternehmer – Ein Stück Nachkriegsgeschichte

Helmut Remmel kehrte im Juni 1945 nach vier Kriegsjahren in seine Heimatstadt Werdohl zurück. Auf Grund der Verhältnisse fand er keine Arbeit. Durch eine glückliche Fügung gelang es ihm, den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen.

Als im Jahre 1945 Weihnachten vor der Tür stand und es kaum etwas zu kaufen gab, hatte er aus flachem Holz Märchenfiguren für seinen Sohn ausgesägt. Diese wurden lackiert, mit Anhänger versehen und anschließend übers Kinderbett auf gehangen.

Da diese Figuren innerhalb der Familie und Nachbarschaft sehr gut ankamen, entschloss er sich noch mehr Figuren auszusägen. Schwierigkeiten machten ihm das Besorgen von Spanplatten und Farbe aber auch da fand sich eine Lösung.

Selbst das Haushaltswarengeschäft Busch und das Geschäft Kohlhage nahmen Figuren von ihm ab. Mit der Zeit kamen Geschäfte aus dem ganzen ehemaligen Kreis Altena hinzu und selbst ein Großhandel in Hemer gehörte zu seinen Abnehmern. Das Geschäft ging so gut, dass er bald sechs zusätzliche Angestellte beschäftigt hatte.

Am 20. Juli 1948 mit der Währungsreform war Schluss mit dem Geschäft. Niemand wollte Märchenfiguren haben. Manche kauften sich für das neue, gute Geld „anderes Unnützes.“

Da dieses Geschäft mit der Vorweihnachtszeit 1945 begann, hat der Heimat- und Geschichtsverein Werdohl nun einen Satz dieser „alten“ Märchenfiguren in einer Vitrine im Stadtmuseum ausgestellt. Schließlich passt es genau in der jetzigen Vorweihnachtszeit.

Die Märchenfiguren und die Geschichte des kleinen Unternehmens können ab sofort im Stadtmuseum bis Ende Januar besichtigt werden.

 

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