Zum Ende des 2. Weltkrieges stand im Werdohler Bahnhof bis rauf zu Lokschuppen der Schnurre (unter der Kommandobrücke) ein Güterzug. Bewacht wurde er von amerikanischen Soldaten. Nun wollten natürlich alle wissen, was da wohl in den Waggons war. Die Kinder und Jugendlichen aus dem Bahnhofsviertel beobachten die Wachen wie sie ihre Runden drehten, und passten einen günstigen Augenblick ab, um ungesehen in die Waggons zu gelangen. Alle Waggons waren gefüllt mit Behältern, in denen sich Fallschirme befanden.

Die Bevölkerung konnte natürlich nach dem Krieg Stoff gut gebrauchen, und so „stibitzten“ zunächst Jugendliche einen Fallschirm nach den anderen. Auf Grund der verordneten Sperrzeiten, konnten die Fallschirme nur am Tage „entwendet“ werden, was sich oft als sehr schwierig heraus stellte. Man musste sich beeilen, da in Werdohl das Gerücht umging, dass der Zug gesprengt werden sollte. Dieses stellte sich aber wirklich nur als Gerücht heraus, und die Amerikaner gaben den Zug, bzw. den Inhalt der Behälter für die Bevölkerung frei. Die Bevölkerung kam dann auch, mit Schubkarren und Leiterwagen um diese mit den Fallschirmen zu füllen.

Da es sich um Transportfallschirme handelte, waren diese alle bekannter weise knallrot. Aus dem roten Fallschirmstoff wurden von den Müttern  allerhand Kleidungsstücke genäht. Kleider, Blusen, Tischdecken, Gardinen und andere Sachen wurden daraus gefertigt. Sogar zu Tanzveranstaltungen erschienen etliche Werdohler mit Kleidungsstücken aus jenem Stoff. So war die Farbe Rot für eine bestimmte Zeit die Modefarbe in Werdohl, und jeder konnte sehen, wer einen Fallschirm ergattern konnte.

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